Cloud Computing macht alles besser!
Apr 27th, 2011 | By hess | Category: AllgemeinDas ist so die Botschaft auf der diesjährigen Cebit gewesen. Cloud hier, Cloud da. Alles einfach in die Cloud und ich kann sogar während einer Safari in Kenia auf dem Rücken eines Elefanten meine Daten abrufen. Und sicher sind sie allemal. Natürlich! Meine Daten sind abrufbar über mein iPhone, mein iPad, mein Rechner, den Rechner meines Nachbarn und sogar über das Backblech meines neuen Miele Backofen. Man verzeihe mir den Zynismus, aber die Diskussionen über die Cloud nimmt gerade Ausmaße an, die fast schon an eine Götterdämmerung erinnern. Eine Cloud steht neudeutsch für eine Wolke. Wenn Sie im Herbst morgens aus dem Fenster schauen, dann sehen Sie Nebel. Nebel ist aber nichts anders als Wolken. Eine Cloud eben. Nichts mehr sehen, die Richtung erahnen und hoffen dass alles richtig geht. So wie Autofahrer bei Nebel auf der Autobahn unterwegs sind, so fühlt man sich meiner Meinung nach in einer Cloud. Die Autobahn gibt die Richtung vor und alle drücken aufs Gas. Sehen wo man ist und wo man fährt, ist doch unnötig, die Rücklichter des vorderen Wagen zeigen ja wos langgeht. Ich muss nur dicht genug dranbleiben, das ich das Auto vor mir sehe.
Sie denken, der Vergleich hinkt? Wollen wir uns mal Cloud Computing mal anschauen. Eine Cloud besteht aus mehreren Komponenten, deshalb ist sie wohl so erfolgreich:
- Ich kann meine Daten darin speichern.
- Ich kann meine Anwendungen darin laufen lassen, benötige dazu nur einen Webbrowser.
- Ich kann sogar darin drucken, zumindest behauptet Google das.
- Ich kann alles zusammen kombinieren!
Der Vorteil liegt auf der Hand. Das ist in der Summe viel billiger als sich selbst Hardware in die Bude zu stellen. Das sagen alle Studien, die irgendwer irgendwo in Auftrag gegeben hat. Sie sind schon in die Cloud umgezogen? Glückwunsch! Nebenbei bemerkt, können Sie mir mal sagen was sie tatsächlich sparen im Jahr und Euro? Das kommt darauf an sagen Sie? Richtig, ich vergaß, die Cloud macht ja alles viel nebulöser…
Spass beiseite liebe Leser, wollen wir mal die Fakten gegen eine Cloud auflisten.
- Als Unternehmen mit Sitz in Deutschland müssen Sie alle steuerrelevanten Unterlagen in Deutschland aufbewahren und dem Finanzamt zugänglich machen. In der Cloud liegen sie irgendwo. Bestimmt wird Ihnen auch zugesichert, dass die Daten in Deutschland gehostet werden. Irgendwo im Kleingedruckten steht das vielleicht. Im Ernstfall wird das Finanzamt Ihnen die Ohren langziehen und nicht dem Cloud Betreiber.
- Eine Cloud wie z.B. die vom Amazon sichert Ihnen eine vertragliche Verfügbarkeit von 99,95% zu. Wenn Ihnen aber ein LKW den nächsten Telefonverteiler umfährt, Ihre DSL Leitung tot ist, Sie nicht an Ihre Daten rankommen, dann kann doch Amazon nichts dafür, oder? Genau, Amazon sichert Ihnen nur eine 99,95% Verfügbarkeit der Daten innerhalb des Amazon Rechenzentrums zu. Falls Sie auch eine ausfallsichere Leitung zu Ihren Daten wollen, die Telekom legt Ihnen bestimmt gerne 2 oder 3 redundante Kabel in den Garten. Ist nicht so günstig, seien Sie gewarnt.
- Eine Cloud wird so betrieben, das jederzeit gewährleistet ist, dass Ihre Daten gegen Diebstahl gesichert sind. Das kann man getrost unterschreiben. Ihre Daten sind so sicher wie in einer Bank. Ups, sagt ich Bank? Wurden da nicht CDs gehandelt mit Adressen von Steuerhinterziehern? CDs aus dem Schweizer und Luxemburger Bankgewerbe? Na ja, Ihre Daten sind halt nicht so sicher wie in einer Bank. Bestimmt sind sie noch sicherer, glauben Sie mir.
- Cloudcomputing ist ein neuer Begriff für eine Vielzahl von Anwendungen, die es seit Jahren gibt und und teilweise nie sonderlich erfolgreich ware. Daten in der Cloud speichern hieß früher SaaS (Storage as a Service). Anwendungen in der Cloud hieß früher SaaS (Software as a Service). Keine Ahnung warum beide gleich abgekürzt wurden. Dazu eine Prise Hosting Services, zwei drei weitere Buzzwörter und fertig ist das Cloudcomputing. Tja, warum waren die Anwendungen früher nicht erfolgreich und warum sind sie es heute? Keiner weis es. Vielleicht ist es erfolgreich, weil einer nur dem anderen hinterherrennt? Ist den Cloudcomputing wirklich erfolgreich? Ich jedenfalls stehe im Nebel.
- Ihre Daten sind merfach gesichert und manigfaltig gegen Ausfall von einzelnen Rechnern, Netzwerkausfällen und gar gegen den Ausfall eines ganzen Rechenzentrums abgesichert (Das Wort “sicher” kommt bei jedem Cloudanbieter noch öfter vor als in diesem Blog, glauben Sie mir). Tja, sicher galten früher auch die Atomkraftwerke. Alle 10.000 Jahre oder alle 100.000.000 Jahre gibt es dort je nach Auslegungsart statistisch einen GAU. Kinder, wie die Zeit vergeht! Kernschmelzen 1979 in Harrisburg, 1986 in Tschernobyl, 2010 in Fukushima. Der Vorteil, zumindest für die Mathematiker unter uns ist, dass wir statistisch somit 300.000.000 Jahre alt werden. Beim nächsten GAU addieren Sie einfach 100.000.000 Jahre dazu. Und ihre Daten in der Cloud? Amazon hat Kundendaten in der Cloud verloren, vor zehn Jahren war es strato. Microsoft hat Daten bei Hotmail anfang des Jahres verloren. Statistisch passiert das aber bestimmt nur alle 10.000 Jahre, oder 100.000 Jahre. Stellen Sie sich einfach so vielle Nullen vor wie Sie wollen. Das rettet die Daten in der Cloud auch nicht.
So bitter der Vergleich mit den GAU eines Atomkraftwerkes ist, so treffend ist er auch. Wenn Sie alles in der Cloud abgelegt haben, Ihre Dateninfrastruktur wie es so schön heisst virtualisiert haben, sind Sie modern und der Technik aufgeschlossen. Nur, wenn die Daten für Sie nicht erreichbar sind, was dann? Haben Sie eine 0800 Nummer wo Sie anrufen können und einer netten Stimme von Band zuhören? Können Sie ansonsten nichts tun? Sie spüren in diesem Moment einfach nur Panik weil Sie nicht wissen, was Sache ist?
Die Altvorderen unter uns, die den Gau in Tschernobyl bewusst erlebt haben, werden mir bestätigen, das das Gefühl damals zumindest teilweise das gleiche war.
P.S.: Ich bin kein direkter Gegner von Cloudcomputing, ich verstehe nur nicht was da besser sein soll. Und ja, ein GAU in einem AKW ist sicherlich dramatischer als ein Datenverlust, weil ganze Landstriche auf tausende Jahre verseucht werden können. Das Gefühl eines einzelnen Betroffenen ist aber vergleichbar: Unsicherheit.
Ihnen einen sicheren Tag!
Ach ja, auch hier ein Cloudartikel:
http://www.speicherguide.de/default.aspx?tabid=66&articleType=ArticleView&articleId=14005
Ach ja, auch hier ein Cloudartikel:
http://www.speicherguide.de/default.aspx?tabid=66&articleType=ArticleView&articleId=14005
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